Der Lehrplan

Körperbewusstsein und Bewegungstraining

Body & Movement Awareness

Anhand feiner Körper- und Bewegungsstudien lernen die Studierenden Strukturen des menschlichen Bewegungsapparates und der Körpermechanik kennen. Sie erfahren - direkt körperlich – eigene tief­verwurzelte Bewegungsmuster, lernen weiter zu differenzieren und entdecken neue Wahlmöglichkeiten. Über innere Bilder (Images), die sich an anatomischen Gegebenheiten orientieren, können tiefliegende Spannungen abgebaut, Körperaufrichtung und Ausrichtung verbessert werden. Alltags- und tänzerische Bewegung wird lebendiger, leichter und differenzierter, Bewusstheit und Verbindung von Körper und Geist (body-mind) wachsen. Neben der Feldenkraismethode wird mit Alexander Technik , Ideokinese, Alignment und ähnlichen Methoden gearbeitet.

Movement Training

Das Bewusstsein für Energie, Präsenz und Dynamik kann als wacher, aufmerksamer und lebendiger Zustand von Geist und Körper in der Bewegung umschrieben werden. In bezug auf unsere Arbeit bedeutet dies, sich in Tanz und Bewegung all seiner Energien bewusst zu werden, sie zu entdecken und zu entfalten. Die Studierenden lernen, mit Kraft und Lebendigkeit umzugehen, sie auszudrücken und bewusst in den kreativen Prozess integrieren können - anders gesagt, hören, spüren, sehen und bereit werden, für klare, angemessene Reaktionen. Neben Prinzipien aus Kampfkünsten wie Erden (grounding) - seine Mitte finden (centering) - Verantwortlichkeit und Präsenz, arbeiten wir mit einfachen Formen, welche das Tanzrepertoire erweitern und neue Räume öffnen können. Wahrnehmungsübungen zur Schärfung und Differenzierung der Sinne und Bewegungsexplorationen runden das Training ab.

Tanztechnik

Die Technik im Neuen Tanz besteht aus einem Wechselspiel von Spannung und Entspannung im Körper und fördert einen natürlichen Fluss der Bewegung bei minimalem Kraftaufwand.

Das Training orientiert sich an funktionaler Bewegungsbildung unter Einbeziehung anatomischer Grundkenntnisse von Skelett und Muskulatur und fördert u.a. über innere Körperarbeit das Erspüren und Erkennen von Bewegungsansätzen und deren Verbindungen.

Durch gezielte Bewegungsimpulse oder Images werden tänzerische Grundtechniken wie Alignment, Beweglichkeit, Bewegungsfluss, gezielter Krafteinsatz, Zentrierung, Balance / Offbalance, Koordination, Sprungkraft, Raumbewusst­sein, Rhythmus­gespür und Musikalität trainiert.

Auf dieser Grundlage werden Drehungen, Sprünge, Fall- / Rollbewegungen und rhythmische Schrittfolgen erarbeitet und schwungvolle, dynamische Bewegungs­sequenzen entwickelt und getanzt.

Choreographie

In der Choreographie werden u.a. folgende Themenstellungen bearbeitet: Erfinden von Bewegungsmaterial aufgrund spezieller Aufgabenstellungen, festlegen von Bewegungssequenzen, Spiel der Formen in Raum und Zeit, Vernetzung, Doppell­ung, Kontrapunkt, Verdichtung, Auflösung sowie Arbeit in unterschiedlichen Konstellationen wie Duettform, Trio, Quartett, Quintett, Ensemble. (vgl. auch Komposition)

Exploration, Improvisation, Komposition

In derExploration
dient das Improvisieren als Methode zum kreativen Forschen. Bewegungs­material, Stimmung und emotionaler Gehalt werden in ihrer Qualität untersucht und in die Auseinandersetzung mit gestalterischen Aspekten wie Raum, Zeit, Form und Dynamik geführt. Handwerkliche Grundlagen wie differenzieren von Bewegungsqualitäten, Bewegungstransformation, Shift, Contain, Akkumulation, Bewegungsmotiv und Variation, Entwickeln, Phrasierung, Instant Copy, und Tuning werden bearbeitet.

Durch das Training von körperlicher und geistiger Durchlässigkeit verfeinert sich die Wahrnehmung. Die TänzerInnen werden berührbar und das Spektrum an künstler­ischem Ausdruck vervielfältigt sich enorm. Sensibel und reaktionsschnell können sie innere und äußere Impulse aufgreifen und mit dem Geschehen im Fluss sein. Dies bedeutet nichts weniger, als sich seiner selbst und dem was man tut und darstellt, in jedem Moment gewahr zu sein.

Improvisation

– als Instant Composition - ist eine Komposition des Augenblicks. In der freien Improvisation als Kunstform ist der Verlauf noch unbekannt und wird Schritt für Schritt durch die beteiligten Personen bestimmt. Sie zeichnet sich aus, durch die Provokation spontaner, authentischer Reaktionen und besitzt eine ungeheure Lebendigkeit und Logik. Das erfordert von den Akteuren körpertechnisches Können, ungehemmten Zugang zu den kreativen Ressourcen und künstlerische Erfahrung.

Ganz besondere Wachheit und Klarheit gelten dem Erkennen, wie spontanes Handeln und kompositorische Gesetzmäßigkeiten sich gegenseitig bedienen, reiben und ineinander greifen. Improvisation ist jenseits von Beliebigkeit.

Die besondere Kraft und Stärke improvisierter Verläufe begründen sich im Zu­sammen­spiel der Fähigkeiten, mit Körper, Material und Situation verbindlich zu sein und zugleich spontanen Ereignissen Raum zu gewähren. So können bühnen­­reife Improvisationen, durchdrungen von Tiefe und Leichtigkeit entstehen – mitunter scheinbar ‚verfahrene’ Situationen werden als Chance genutzt und dienen dem Finden von Nichtvorhersehbarem.

Komposition

Die Arbeit an Improvisation hat bereits grundlegende kompositorische Elemente verdeutlicht. Nun wird das Gesamte unter Gesichtspunkten zur Stückentwicklung betrachtet: Möglichkeiten der Ideen / Motiv/ Material – Findung und erste konkrete Umsetzung, z.B. die gezielte Auswahl von Bewegungsmaterial frei oder choreo­graphiert, die Einteilung von Zeit, Erarbeitung von Spannungsbögen (timing), Anfänge, Übergänge, Enden, die Raumplanung Orte, Wege, Flächen, Ebenen, Perspektiven.

Es geht um Einsatz oder bewussten Verzicht von Musik, Sprache, Medien, Kostüm, Objekt, Bühnenbild dieser Mittel und nicht zuletzt um die Klärung der Stilfrage: Theatertanz oder abstrakter Tanz, Spiel mit Raum/ Zeit/ Form, Collage, Aneinander Reihen von Fragmenten, erzählend oder in Bildern, Stimmungsland­schaften. Über gezielte Aufgabenstellungen werden diese Fragen und Komponenten erforscht und bearbeitet.

Contactimprovisation / Partnering

ist zunächst ein grundlegendes Bewegungstraining, vor allem zur Schulung der kinästhetischen Sinne - vom sensiblen Wahrnehmen und Spüren des eigenen Körpers in Ruhe und Bewegung, des Bodens, des Partners, über weiche und kraftvolle Körperarbeit, bis hin zur Schulung von angemessenen und schnellen Reaktionen im akrobatischen Tanz.

C.I. ist Improvisation im ursprünglichsten Sinn – jede Bewegung entsteht unmittelbar im Augenblick - aus dem Zusammenspiel der Körper und der Schwerkraft. Der Tanz erfordert die komplexe Fähigkeit, sich dem gemeinsamen Bewegungsfluss zu überlassen und gleichzeitig das Geschehen so präsent wahrzunehmen, dass dieser Fluss jederzeit spielerisch gelenkt werden kann.

Direkte körperliche Kommunikation ist eine reiche und ausdrucksvolle Sprache. Sie birgt Überraschungen und authentische Reaktionen und eröffnet im gestalterischen Bereich neue Möglichkeiten und Herausforderungen. Wir werden Contactimprovisation als Basistraining, Improvisations- und Kompositionselement einsetzen.

Soloarbeit

In der Soloarbeit wird der Tänzer / die Tänzerin beim Suchen nach der eigenen Ästhetik und Ausdruckskraft unterstützt. Mittels freier Improvisationen und / oder gezielten Themenstellungen wie beispielsweise einer Vorgabe zu Raum, Musik, Bild, Objekt, Kostüm, Text oder Bewegungsmaterial können die individuellen Stärken herausgefunden werden. Ziel dabei ist nicht einen bestimmten (unseren) Stil zu kultivieren, sondern über intensive Forschung und Auseinandersetzung zu einer authentischen Tänzerpersönlichkeit zu finden.

Performance

Im Performanceunterricht wird auf die professionelle Bühnensituation vorbereitet. Neben der Arbeit an Präsenz, innerer Kraft und Ausstrahlung wird das Bewusstsein sowohl für Eigenwahrnehmung als auch Zuschauerperspektive geschärft. Es geht um Ausloten der Grenzen, hinauswachsen über Befindlichkeiten, das Entwickeln der Fähigkeit persönliches Erleben in einen größeren Kontext und auch in einen kulturgeschichtlichen Zusammenhang stellen zu können. Was will ich mit meinem Stück bewirken, auslösen?

Des weiteren gehören zum Performancetraining auch die innere und physische Vorbereitung für den Auftritt, die Fähigkeit über Inhalt und Formgebung des Stückes zu kommunizieren und nicht zuletzt das Entwickeln von Kritikfähigkeit.

In regelmäßigen Werkstattaufführungen zeigen die SchülerInnen ihre selbst entwickelten und erarbeiteten Stücke. Dieser Prozess wird von einem Dozenten begleitet und nachbereitet.

Daneben gibt es auch Forschung in unterschiedlicher Location, wie in Naturräumen, öffentlichen Plätzen oder interessanten Bauwerken oder die tänzerische Begegnung mit Kunstobjekten oder Aktionskunst. Die Ausbildung mündet in einer Performance, an der die Schüler an mehreren Abenden im professionellen Rahmen ihre Abschlussstücke zeigen.

Auch dieser Prozess „Von der Idee zum Stück wird bis zu den Aufführungen begleitet und umfasst auch die Organisation einer Veranstaltung in Eigenverantwortung: Presse, Öffentlichkeitsarbeit, Programmgestaltung.

Rhythmus / Musikanalyse für Tänzer

Über das Kennenlernen, Erkennen und Praktizieren unterschiedlicher Rhythmen zu einem bewussten Umgang von Tanz mit Rhythmus finden, um z.B. eigene Rhythmussequenzen zu entwickeln und in Bewegung umzusetzen. Musikanalyse und die Umsetzung musikalischer Formen in Choreographie, Musizieren mit Stimme und Instrumenten, Begegnung von (Live-) Musik und Tanz in der Improvisation / Komposition.

Tanzgeschichte

Einführung und Überblick über die Tanzgeschichte ab Renaissance bis 21. Jahrhundert mit Schwerpunkt 20. Jahrhundert und Neue Tanzentwicklung als Schwerpunkt mit entscheidenden Vertretern / Zeitgenössischer Tanz / Konzepttanz und Strömungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Anatomie

Anatomie der Bewegung, Technik und Funktion des Körpers (Knochensystem, Muskelsystem) über Theorie und Körperübungen.

Deutsch / Sozialkunde

Hier geht es u.a. um die Auseinandersetzung mit Tanztexten, Tanzvideos, Kritiken, Selbstdarstellung für eigene Werbung (print und online), Verbesserung von Kommunikation oder das Umgehen mit Selbständigkeit (Verträge, Versicherung u.ä.)



~When I improvise, there is a lot more I'm deciding not to do, than I am deciding to do in my body~
(Lisa Nelson)